Jede Diskussion über IT-Budget endet an derselben Stelle: Niemand kann beziffern, was ein Ausfall kostet. Ohne diese Zahl ist jede Sicherheitsinvestition ein Glaubenssatz. Ein Rechenweg, der in einer halben Stunde zu einem belastbaren Wert führt — ohne Studien zu zitieren, die zu Ihrem Betrieb nicht passen.

Die Ausfallkosten je Stunde setzen sich aus fünf Posten zusammen: stillstehende Arbeitszeit, entgangener Umsatz, Nacharbeit, externe Hilfe und vertragliche Folgen. Den größten und zugleich am leichtesten zu ermittelnden Anteil hat meist die Arbeitszeit: betroffene Personen mal Vollkosten je Stunde mal dem Anteil, der tatsächlich blockiert ist. Für einen Betrieb mit 40 Beschäftigten liegt allein dieser Posten bei rund 945 Euro je Stunde. Entscheidend ist, den entgangenen Umsatz nicht pauschal mitzurechnen — in vielen Betrieben verschieben sich Aufträge nur, statt verloren zu gehen. Wer das vermischt, bekommt eine Zahl, die niemand glaubt.
Weil ohne diese Zahl jede Entscheidung über IT-Sicherheit auf Bauchgefühl beruht. Die Frage „Lohnt sich eine zweite Internetleitung?“ ist nicht beantwortbar, solange niemand weiß, was die erste kostet, wenn sie ausfällt. Dasselbe gilt für Backup-Strategien, Ersatzhardware und Wartungsverträge.
Und es gibt einen zweiten Grund, der im Mittelstand oft der wichtigere ist: Die Zahl verschiebt das Gespräch. Solange IT-Sicherheit als Kostenstelle diskutiert wird, verliert sie gegen jede andere Anschaffung. Sobald eine Stunde Stillstand einen Preis hat, wird daraus eine Abwägung zwischen zwei Zahlen.
Verbreitete Branchenzahlen helfen dabei nicht. Studien, die fünfstellige Beträge je Minute nennen, stammen aus Rechenzentren und Handelsplattformen. In einem Betrieb mit 40 Beschäftigten sind sie nicht falsch, sondern unbrauchbar — und jeder im Raum weiß das, weshalb die ganze Rechnung unglaubwürdig wird.
Rechnen Sie die eigene Zahl. Sie brauchen dafür keine Software, sondern fünf Zeilen.
| Posten | Wie Sie ihn ermitteln | Beispiel: 40 Beschäftigte |
|---|---|---|
| Stillstehende Arbeitszeit | Betroffene Personen × Vollkosten je Stunde × Anteil, der wirklich blockiert ist | 30 × 45 € × 0,7 = 945 €/h |
| Entgangener Umsatz | Nur, wo Aufträge tatsächlich verloren gehen statt sich zu verschieben | oft 0 € — im Handel und Support dagegen hoch |
| Nacharbeit | Stunden, um hinterher aufzuholen: nachtragen, abstimmen, entschuldigen | etwa 25 % der Ausfallzeit |
| Externe Hilfe | Stundensätze für Wiederherstellung, ggf. Forensik | fallabhängig |
| Vertragsstrafen, Fristen | Liefertermine, Meldefristen, Zusagen | meist 0 €, im Einzelfall dominierend |
Das Beispiel rechnet mit 30 von 40 Beschäftigten, die bei einem Ausfall zentraler Systeme tatsächlich betroffen sind, mit Vollkosten von 45 Euro je Stunde (also Arbeitgeberbrutto, nicht Nettolohn) und mit einem Blockadeanteil von 70 Prozent — denn niemand steht wirklich vollständig still. Allein daraus ergeben sich rund 945 Euro je Stunde, ohne einen Euro entgangenen Umsatz.
Es ist der entgangene Umsatz — und zwar, weil er fast immer falsch angesetzt wird. Die naheliegende Rechnung „Jahresumsatz geteilt durch Jahresarbeitsstunden“ führt zu großen, beeindruckenden Zahlen und ist in den meisten Betrieben schlicht falsch.
Die entscheidende Frage lautet nicht, wie viel Umsatz in dieser Stunde normalerweise entsteht, sondern: Ist dieser Umsatz weg — oder kommt er später?
Wer das sauber trennt, bekommt eine kleinere, aber verteidigbare Zahl. Und darauf kommt es an: Eine Zahl, die im Raum bezweifelt wird, hat keinen Wert, egal wie hoch sie ist.
Drei Posten, die regelmäßig fehlen und den Wert spürbar verändern:
Umgekehrt gibt es einen Posten, den man nicht mitrechnen sollte, obwohl er verlockend ist: den Imageschaden. Er ist real, aber nicht seriös zu beziffern — und eine Rechnung mit einer geschätzten Zahl darin verliert ihre Überzeugungskraft vollständig.
Sie ist kein Selbstzweck. Sie macht drei Entscheidungen erstmals rechenbar:
Nehmen Sie sich eine halbe Stunde und füllen Sie die fünf Zeilen für Ihren Betrieb aus. Sie brauchen dafür drei Angaben, die die Buchhaltung in Minuten liefert: Zahl der Beschäftigten, durchschnittliche Vollkosten je Stunde, und die ehrliche Einschätzung, wie viele davon bei einem Ausfall zentraler Systeme wirklich nicht weiterarbeiten können.
Tragen Sie das Ergebnis in die nächste Leitungsrunde. Erfahrungsgemäß ist die Zahl deutlich höher, als alle erwartet haben — und deutlich niedriger als das, was in Anbieterpräsentationen steht. Genau deshalb glaubt sie Ihnen jemand.
Wenn Sie danach wissen wollen, wie lange Ihr Wiederanlauf realistisch dauert: Das ermitteln wir mit Ihnen — wir gehen die Prozesse durch, prüfen die Sicherungen und hinterlegen, was im Ernstfall in welcher Reihenfolge zurückkommt. Den laufenden Betrieb übernehmen wir auf Wunsch als Managed Service.
FAQ
Kurz und konkret beantwortet.
Über fünf Posten: stillstehende Arbeitszeit, entgangener Umsatz, Nacharbeit, externe Hilfe und vertragliche Folgen. Den größten und am einfachsten zu ermittelnden Teil bildet meist die Arbeitszeit — betroffene Personen mal Vollkosten je Stunde mal dem Anteil, der tatsächlich blockiert ist. Alles Weitere kommt obendrauf.
Weil er in vielen Betrieben gar nicht entgeht, sondern sich nur verschiebt. Wer Aufträge nach dem Ausfall nacherfasst, hat den Umsatz nicht verloren — verloren sind Arbeitszeit und Nacharbeit. Anders liegt es überall dort, wo Kunden abspringen: im Handel, im Onlineshop, im telefonischen Kundendienst.
Mit den Vollkosten, also dem Arbeitgeberbrutto einschließlich Nebenkosten — nicht mit dem Nettolohn und nicht mit dem Stundensatz, den Sie Kunden berechnen. Der Kundensatz enthält Gewinnmarge und würde die Rechnung aufblähen.
Besser nicht. Er ist real, aber nicht seriös zu beziffern. Eine Rechnung, die eine geschätzte Imagezahl enthält, verliert in der Diskussion genau die Glaubwürdigkeit, wegen der man sie aufgestellt hat. Nennen Sie ihn qualitativ — aber lassen Sie ihn aus der Summe.
Für den Mittelstand meist nicht. Viele verbreitete Werte stammen aus Rechenzentren, Handelsplattformen und Konzernumgebungen und liegen um Größenordnungen daneben. Eine selbst gerechnete, niedrigere Zahl ist in jeder internen Diskussion mehr wert als eine beeindruckende fremde.
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