Zwei Berliner Senatsverwaltungen sind seit dem 14. August vom Landesnetz getrennt und faktisch arbeitsunfähig — trotz Krisenstab, LKA und BSI. Die unbequeme Frage für jeden Betrieb lautet: Wie lange wären wir es?

Nach einem Cyberangriff auf das Berliner Landesnetz waren zwei Senatsverwaltungen auch nach sechs Tagen noch arbeitsunfähig; unter anderem stockte die Wohngeld-Auszahlung. Die entscheidende Kennzahl für Unternehmen ist deshalb nicht, ob ein Angriff gelingt, sondern wie lange der Stillstand dauert. Sie lässt sich vorab bestimmen — und durch Netzsegmentierung, getestete Wiederherstellung und einen geübten Notfallplan deutlich verkürzen.
Seit dem 14. August sind zwei Berliner Senatsverwaltungen vom Landesnetz getrennt und damit faktisch arbeitsunfähig. Auslöser war ein Cyberangriff; die Trennung erfolgte als Schutzmaßnahme, um eine Ausbreitung zu verhindern. Betroffen waren auch Leistungen mit direkter Bürgerwirkung — etwa die Auszahlung von Wohngeld.
LKA, Staatsanwaltschaft und das BSI ermitteln. Nach dem zuletzt bekannten Stand sollen keine sensiblen Daten abgeflossen sein. Bemerkenswert ist etwas anderes: Auch nach rund einer Woche war ein Ende nicht absehbar — und das mit Krisenstab, Landeskriminalamt und Bundesbehörde im Rücken.
Genau darin liegt die Lehre für Unternehmen. Nicht: „Die haben schlecht gearbeitet." Sondern: Wiederanlauf dauert länger, als fast alle schätzen — selbst mit Ressourcen, die kein Mittelständler hat.
Weil zwischen „der Angriff ist gestoppt“ und „wir arbeiten wieder“ mehrere Schritte liegen, die sich nicht parallelisieren lassen. Zuerst muss man verstehen, was passiert ist — welcher Weg genutzt wurde und welche Systeme betroffen sind. Solange das unklar ist, kann man nichts guten Gewissens wieder ans Netz nehmen.
Dann folgt der Aufbau: Systeme werden neu aufgesetzt statt bereinigt, weil niemand garantieren kann, dass ein Angreifer wirklich draußen ist. Anschließend werden Daten zurückgespielt, geprüft und freigegeben — und zwar in einer Reihenfolge, denn Fachanwendungen brauchen Verzeichnisdienste, die wiederum Netzwerk und Authentifizierung brauchen.
Und über allem liegt das Grundproblem: Man arbeitet ohne die eigenen Werkzeuge. Keine E-Mail, keine Dokumentation, oft kein Telefon. Wer seine Systemdokumentation nur digital im betroffenen Netz hat, sucht sie im ungünstigsten Moment.
Nein — Verwaltungen sind nur sichtbarer, weil sie öffentlich berichten müssen. Der Angriff auf Berlin fällt in eine Phase, in der Ransomware-Gruppen im deutschsprachigen Raum deutlich aktiver geworden sind: Die Zahl bekannt gewordener Fälle im DACH-Raum hat sich im ersten Halbjahr 2026 nahezu verdoppelt (von 22 auf 42 gemeldete Fälle).
Auffällig ist die Mischung der Ziele. Getroffen wurden zuletzt neben Verwaltungen auch Kommunen und mittelständische Ingenieur- und Zulieferbetriebe — Unternehmen also, die selbst kein bekanntes Markenzeichen tragen, aber für ihre Kunden unverzichtbar sind. (Die Angaben zu einzelnen Unternehmen stammen bislang von den Leak-Seiten der Täter und sind nicht bestätigt.)
Das entkräftet den häufigsten Einwand — „uns kennt doch niemand“ — ein weiteres Mal. Wie wir schon in Wenn Ransomware das Fließband stoppt beschrieben haben: Bekanntheit war nie das Auswahlkriterium.
Die eine Zahl, die im Ernstfall alles entscheidet, ist Ihre Wiederanlaufzeit — die Zeit von „alles steht“ bis „wir arbeiten wieder“. In der Fachsprache heißt sie RTO (Recovery Time Objective), aber der Begriff ist unwichtiger als die Übung, sie ehrlich zu bestimmen.
Fragen Sie dafür nicht die IT allein, sondern gehen Sie je Geschäftsprozess durch: Wie lange können wir ohne Auftragsannahme? Ohne Warenwirtschaft? Ohne Lohnbuchhaltung am Monatsende? Daraus ergibt sich eine Rangfolge — und die ist fast immer eine andere als die, nach der Systeme technisch wiederhergestellt würden.
Die zweite Zahl ist der tolerierbare Datenverlust: Wie viele Stunden Arbeit dürfen fehlen? Sie bestimmt, wie oft gesichert werden muss. Beide Zahlen zusammen machen aus „wir haben Backups“ eine belastbare Aussage (Grundlagen: 3-2-1-Regel).
Vier Hebel, die in dieser Reihenfolge wirken:
Kurz und griffig, außerhalb der IT erreichbar: Wer entscheidet (mit Vertretung), wen rufen wir an (Dienstleister, Versicherung, Behörde), welche Prozesse haben Vorrang, wie kommunizieren wir, wenn Mail und Telefonie ausfallen (siehe Telefonie-Notfallkonzept), und welche Meldepflichten laufen mit — bei personenbezogenen Daten 72 Stunden, unter NIS2 deutlich kürzer.
Was in diese Mappe gehört und wie man sie schlank hält, steht in Was gehört in einen IT-Notfallplan?. Entscheidend ist weniger der Umfang als die Erreichbarkeit: Ein 60-seitiges Konzept im gesperrten Dateiserver hilft niemandem.
Stellen Sie in der nächsten Leitungsrunde eine einzige Frage: Wenn heute Nacht alles verschlüsselt wird — wann nehmen wir wieder Aufträge an? Kommt darauf keine Zahl, sondern ein Schulterzucken, haben Sie Ihren Handlungsbedarf gefunden.
Wir ermitteln diese Zahl mit Ihnen: Wir gehen Ihre Prozesse durch, prüfen, was Ihre Sicherungen tatsächlich hergeben, und proben die Wiederherstellung, bevor es der Ernstfall tut. Am Ende steht keine Hochglanzbroschüre, sondern eine belastbare Antwort — und eine kürzere.
FAQ
Kurz und konkret beantwortet.
Seit dem 14. August 2026 sind zwei Senatsverwaltungen vom Landesnetz getrennt und arbeitsunfähig; unter anderem stockte die Wohngeld-Auszahlung. LKA, Staatsanwaltschaft und BSI ermitteln, sensible Daten sollen nach bisherigem Stand nicht abgeflossen sein.
Weil erst analysiert werden muss, was passiert ist, Systeme meist neu aufgesetzt statt bereinigt werden und die Wiederherstellung einer Reihenfolge folgt. Erschwerend kommt hinzu, dass man ohne die eigenen Werkzeuge arbeitet.
Die Zeit von „alles steht“ bis „wir arbeiten wieder“. Sie wird je Geschäftsprozess bestimmt — nicht je System — und ergibt die Rangfolge für den Ernstfall.
Ja. Die bekannt gewordenen Ransomware-Fälle im DACH-Raum haben sich im ersten Halbjahr 2026 fast verdoppelt, getroffen wurden auch Kommunen und mittelständische Zulieferer ohne bekannten Namen.
Netzsegmentierung, damit nicht alles gleichzeitig ausfällt; getestete Wiederherstellung statt nur vorhandener Backups; Dokumentation außerhalb des betroffenen Netzes; und frühe Erkennung durch Monitoring.
Weiterlesen
Fragen zu Ihrem Projekt?
Ob Managed Services oder ein anderes Thema — wir schauen uns Ihre Situation an und sagen Ihnen ehrlich, was sinnvoll ist.
Kontakt aufnehmenKostenlose Erstberatung
Unverbindlich und ohne Fachchinesisch. Wählen Sie den Weg, der Ihnen am liebsten ist.
4,7 ★ GoogleAntwort in unter 4 Stundenpersönlich seit 2002
Rückruf anfordern
Innerhalb von 4 Stunden — kostenlos und unverbindlich.
Wir melden uns innerhalb von 4 Stunden bei Ihnen.
Bewirb dich in 2 Minuten
Ohne Anschreiben-Zwang. Wähl den Weg, der dir am liebsten ist.
26 Kolleg:innenseit 2002 im RheinlandRückmeldung zeitnah
Rückruf anfordern
Zeitnah — kostenlos und unverbindlich.
Wir melden uns zeitnah bei dir.