Passkeys gelten als das Ende des Passworts — phishing-resistent und bequem. Sicherheitsforscher zeigen nun drei Wege, wie Schadsoftware synchronisierte Passkeys trotzdem stehlen kann. Was das für Ihre Anmeldestrategie heißt.

Forscher von Palo Alto Networks haben unter dem Namen „Pass-ta-key" drei Angriffswege demonstriert, mit denen bereits auf einem Rechner laufende Schadsoftware synchronisierte Passkeys aus dem Google Password Manager stehlen kann — ohne Passwort- oder Fingerabdruck-Abfrage. Passkeys bleiben deutlich sicherer als Passwörter, sind aber kein Ersatz für einen sauberen Endgeräteschutz.
Ein Passkey ersetzt das Passwort durch ein Schlüsselpaar: Ein privater Schlüssel bleibt auf Ihrem Gerät, ein öffentlicher liegt beim Dienst. Beim Anmelden beweist Ihr Gerät den Besitz des privaten Schlüssels — freigegeben per Fingerabdruck, Gesicht oder Geräte-PIN. Es wird also kein Geheimnis übertragen, das jemand abfangen könnte.
Der große Vorteil: Passkeys sind phishing-resistent. Eine gefälschte Anmeldeseite bekommt nichts Verwertbares, weil der Schlüssel an die echte Adresse des Dienstes gebunden ist. Genau deshalb gelten sie als der wichtigste Fortschritt bei der Anmeldesicherheit seit Jahren — und als Nachfolger klassischer Verfahren, die wir in Brauchen wir wirklich MFA? beschrieben haben.
Ein Team von Palo Alto Networks (Unit 42) hat unter dem Namen „Pass-ta-key" drei Angriffswege gezeigt, mit denen sich synchronisierte Passkeys aus dem Google Password Manager entwenden lassen — ohne dass Passwort oder Fingerabdruck abgefragt werden.
Die entscheidende Voraussetzung, und die relativiert die Schlagzeile erheblich: Der Angreifer muss bereits Schadsoftware auf dem Rechner ausführen. Es handelt sich also nicht um einen Fernangriff auf Passkeys als Verfahren, sondern um den Diebstahl bei einem bereits kompromittierten Gerät.
Trotzdem ist der Befund wichtig: Er widerlegt die verbreitete Annahme, ein synchronisierter Passkey sei unter allen Umständen unerreichbar. Der Komfort der geräteübergreifenden Synchronisierung hat einen Preis — der Schlüssel liegt eben nicht mehr nur in einem einzigen, gut abgeschotteten Chip.
Nein — und diese Einordnung ist wichtig. Passkeys bleiben deutlich sicherer als Passwörter, auch nach diesem Befund. Sie können nicht erraten, nicht wiederverwendet und nicht durch eine gefälschte Website abgephisht werden. Der beschriebene Angriff setzt eine Hürde voraus, die beim Passwort gar nicht nötig ist: die vollständige Kompromittierung des Endgeräts.
Anders gesagt: Wer bereits Schadsoftware mit ausreichenden Rechten auf dem Rechner hat, hat ohnehin viele Möglichkeiten — er kann Sitzungen übernehmen, Eingaben mitschneiden oder Daten direkt abgreifen. Der Passkey-Diebstahl ist dann eine zusätzliche Option, nicht die eigentliche Ursache.
Die falsche Reaktion wäre, aus Verunsicherung beim Passwort zu bleiben. Die richtige: Passkeys nutzen und das Endgerät ernst nehmen.
Ein nützlicher Vergleich: Ein Passkey ist wie ein sehr guter Schlüssel. Der Befund der Forscher besagt nicht, dass der Schlüssel schlecht wäre — sondern dass jemand, der bereits in Ihrer Wohnung steht, auch an den Schlüssel kommt. Die Konsequenz daraus ist nicht, den Schlüssel wegzuwerfen, sondern die Tür ernst zu nehmen.
Die praktische Lehre lautet: Anmeldesicherheit ist nur so gut wie das Gerät, auf dem sie stattfindet. Für Ihr Unternehmen heißt das:
Pragmatisch und ohne Big Bang. Erstens: Passkeys dort aktivieren, wo Ihre wichtigsten Dienste sie anbieten — allen voran Microsoft 365. Zweitens: Administratorkonten gesondert behandeln und mit einem Hardware-Schlüssel absichern. Drittens: Den Endgeräteschutz prüfen, denn er trägt die ganze Konstruktion.
Realistisch ist dabei ein Nebeneinander auf Jahre: Nicht jeder Dienst unterstützt Passkeys, und in gemischten Geräteparks funktioniert die Synchronisierung nicht überall gleich. Planen Sie deshalb keinen Stichtag, sondern eine schrittweise Ablösung — beginnend bei den Konten, deren Verlust am meisten wehtäte.
Und wie immer gilt: Schlüssel sind nur ein Teil. Ein sauber verwalteter Passwortbestand für alles, was noch kein Passkey kann, bleibt nötig — siehe Lohnt sich ein Passwort-Manager im Unternehmen?. Wenn Sie unsicher sind, welche Kombination zu Ihrem Betrieb passt, sortieren wir das gemeinsam — verständlich und ohne Technik-Vortrag.
FAQ
Kurz und konkret beantwortet.
Ein Anmeldeverfahren, bei dem ein privater Schlüssel auf Ihrem Gerät bleibt und die Anmeldung per Fingerabdruck, Gesicht oder Geräte-PIN freigegeben wird. Es wird kein Passwort übertragen, deshalb sind Passkeys phishing-resistent.
Forscher von Palo Alto Networks haben drei Wege gezeigt, wie bereits auf einem Rechner laufende Schadsoftware synchronisierte Passkeys aus dem Google Password Manager stehlen kann — ohne Passwort- oder Fingerabdruck-Abfrage.
Nein. Der Angriff setzt ein bereits kompromittiertes Gerät voraus. Passkeys bleiben deutlich sicherer als Passwörter, weil sie nicht erratbar, nicht wiederverwendbar und nicht abphishbar sind.
Ein sauberer Endgeräteschutz mit EDR, verwaltete und aktuelle Geräte sowie gerätegebundene Passkeys oder Hardware-Sicherheitsschlüssel für Administrator- und Finanzkonten.
Weiterlesen
Fragen zu Ihrem Projekt?
Ob IT-Sicherheit oder ein anderes Thema — wir schauen uns Ihre Situation an und sagen Ihnen ehrlich, was sinnvoll ist.
Kontakt aufnehmenKostenlose Erstberatung
Unverbindlich und ohne Fachchinesisch. Wählen Sie den Weg, der Ihnen am liebsten ist.
4,7 ★ GoogleAntwort in unter 4 Stundenpersönlich seit 2002
Rückruf anfordern
Innerhalb von 4 Stunden — kostenlos und unverbindlich.
Wir melden uns innerhalb von 4 Stunden bei Ihnen.
Bewirb dich in 2 Minuten
Ohne Anschreiben-Zwang. Wähl den Weg, der dir am liebsten ist.
26 Kolleg:innenseit 2002 im RheinlandRückmeldung zeitnah
Rückruf anfordern
Zeitnah — kostenlos und unverbindlich.
Wir melden uns zeitnah bei dir.