Multifunktionsgeräte scannen, mailen und archivieren — und stehen dabei mitten im Netz, mit gespeicherten Zugangsdaten, einer Weboberfläche und oft der Firmware von vor fünf Jahren. In Sicherheitskonzepten kommen sie fast nie vor.

Ein modernes Multifunktionsgerät ist ein vollwertiger Netzwerkrechner: Es hat einen Datenträger mit Kopien der gescannten Dokumente, eine Weboberfläche zur Verwaltung, gespeicherte Zugangsdaten für Scan-to-Mail und Verzeichnisdienst — und oft ein Standardpasswort. Weil es niemandes Zuständigkeit ist, bekommt es weder Updates noch eine Netzwerkzone. Die wirksamsten Schritte sind Standardpasswörter ändern, das Gerät in ein eigenes Netzsegment stellen, Firmware in den Wartungsplan aufnehmen und beim Austausch den Datenträger löschen.
Das Gerät im Flur druckt. Es tut aber noch fünf andere Dinge, und die machen es zu einem Computer im Netzwerk:
Damit steht mitten im Netz ein Gerät, das Dokumente speichert und Anmeldedaten kennt, aber in keinem Wartungsplan auftaucht. Der Grund ist selten Technik, sondern Zuständigkeit: Der Drucker gehört gefühlt zum Büromaterial, nicht zur IT.
Vier Szenarien, die nichts Exotisches voraussetzen:
Die Weboberfläche mit Standardpasswort. Sehr viele Geräte laufen jahrelang mit den Zugangsdaten aus dem Handbuch. Wer im Netz ist, kann die Konfiguration lesen — inklusive der hinterlegten Konten.
Ausgelesene Zugangsdaten. Für Scan-to-Mail oder die Ablage im Dateiserver ist im Gerät ein Konto hinterlegt. Ist es großzügig berechtigt — und das ist es oft, weil es „einfach funktionieren“ sollte —, ist es ein bequemer erster Schritt ins Dateisystem.
Dokumente auf dem Datenträger. Beim Austausch, bei der Rückgabe eines Leasinggeräts oder bei der Entsorgung geht der Datenträger mit — samt der Scans der letzten Jahre. Personalunterlagen, Verträge, Ausweiskopien.
Der Zwischenstopp im Netz. Ein Gerät, das nicht überwacht wird, aber alles erreicht, ist ein guter Ort, um sich unauffällig aufzuhalten. Genau darum geht es bei der Verweildauer.
Weil ein Drucker nie Ärger macht. Er meldet keine Fehler, er verlangt keine Anmeldung, er steht auf keiner Inventarliste als IT-Gerät. Erst wenn er kein Papier hat, denkt jemand an ihn.
Dazu kommt: Beim Patch-Management denken die meisten an Server und Arbeitsplätze. Drucker, Scanner, Zeiterfassungsterminals und Kameras fallen durch — sie haben Firmware statt Betriebssystem und keinen automatischen Update-Weg. Der Endpunktschutz läuft dort ebenfalls nicht.
Es ist dieselbe Lücke wie bei Schatten-IT, nur andersherum: Das Gerät ist offiziell beschafft — es hat nur nie jemanden bekommen, der sich zuständig fühlt.
Sechs Schritte, die zusammen an einem Vormittag zu schaffen sind:
Ergänzend, wo sensibel gedruckt wird: Vertrauliches Drucken, bei dem der Auftrag erst am Gerät durch PIN oder Karte freigegeben wird. Das löst nebenbei das analoge Problem — Unterlagen, die stundenlang in der Ablage liegen.
Ein Multifunktionsgerät verarbeitet personenbezogene Daten — Scans von Personalunterlagen, Rechnungen, Ausweiskopien. Damit gehört es in dieselbe Betrachtung wie jedes andere System:
Machen Sie den Zwei-Minuten-Test: Tippen Sie die IP-Adresse Ihres Multifunktionsgeräts in den Browser. Kommen Sie ohne Passwort in die Verwaltung — oder mit dem aus dem Handbuch —, dann kann das jeder in Ihrem Netz auch. Und jeder, der es in Ihr Netz geschafft hat.
Der zweite Blick geht auf die Zahl: Wie viele solcher Geräte gibt es überhaupt, inklusive der kleinen in den Nebenstellen? Diese Liste existiert selten — und sie ist die Voraussetzung für alles Weitere.
Wenn Sie es nicht selbst durchgehen wollen: Wir nehmen die Geräte auf, setzen Passwörter und Berechtigungen gerade, hängen sie in ein eigenes Netzsegment und in den Wartungsplan — damit der Drucker im Flur wieder nur ein Drucker ist.
FAQ
Kurz und konkret beantwortet.
Weil sie vollwertige Netzwerkgeräte sind: mit Datenträger für gescannte Dokumente, Weboberfläche zur Verwaltung, gespeicherten Zugangsdaten für Mailversand und Dateiablage sowie einer Firmware, die selten aktualisiert wird.
Aufträge und Scans werden auf einem internen Datenträger zwischengespeichert, teils dauerhaft. Beim Austausch, bei der Rückgabe eines Leasinggeräts oder bei der Entsorgung geht dieser Datenträger mit — deshalb muss er vorher nachweislich gelöscht werden.
Standardpasswort der Weboberfläche ändern, die Berechtigungen des Scan-Kontos auf einen Ordner beschränken, das Gerät in ein eigenes Netzsegment stellen, die Verwaltung nicht aus dem Internet erreichbar machen und die Firmware in den Wartungsplan aufnehmen.
Sie sollten, fallen aber meist durch: Sie haben Firmware statt Betriebssystem, keinen automatischen Update-Weg und keinen Endpunktschutz. Zweimal jährlich prüfen reicht in den meisten Betrieben — entscheidend ist, dass es überhaupt jemandes Aufgabe ist.
Das Gerät verarbeitet personenbezogene Daten. Zu klären sind das Adressbuch, die Rechtsgrundlage bei Kartenlesern zur Anmeldung, ein abgegrenzter Zugang bei Fernwartung durch den Lieferanten und die nachweisliche Löschung des Datenträgers beim Austausch.
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