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Telefonie

ISDN ist Geschichte — was kommt danach?

Das ISDN-Netz ist abgeschaltet, der Standard heißt All-IP. Wer noch über Adapter weiterbetreibt, sollte den Wechsel auf IP-Telefonie jetzt angehen.

ISDN ist Geschichte — was kommt danach?
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ISDN ist abgeschaltet, weil die Telefonnetze vollständig auf All-IP umgestellt sind. Nachfolger ist die IP-Telefonie (Voice over IP), meist als Cloud-Anlage oder über Microsoft Teams. Sie ist flexibler, ortsunabhängig und ohne eigene Telefonanlage betreibbar – bestehende Rufnummern bleiben per Portierung vollständig erhalten.

Warum wurde ISDN abgeschaltet?

ISDN (Integrated Services Digital Network) war jahrzehntelang der Standard für digitale Telefonie über das klassische Telefonnetz. Inzwischen haben die Anbieter ihre Netze vollständig auf reine IP-Technik umgestellt – auf dieselbe Technik, über die auch das Internet läuft. Diesen Wechsel nennt man All-IP. Die Deutsche Telekom hatte die Umstellung bereits 2018 weitgehend abgeschlossen, die letzten Geschäftskunden-Anschlüsse liefen in den Folgejahren aus. Zwei parallele Netze zu betreiben war auf Dauer weder wirtschaftlich noch zeitgemäß.

Bestehende ISDN-Anlagen lassen sich heute höchstens noch über sogenannte ATA-Adapter (Analog Telephone Adapter) notdürftig weiterbetreiben, die das alte Signal in IP übersetzen. Das ist eine Sackgasse: Die Technik wird nicht mehr weiterentwickelt, Ersatzteile werden knapp, und neue Funktionen gibt es nicht.

Wer noch auf eine solche Übergangslösung setzt, schiebt ein Risiko vor sich her. Fällt der Adapter oder die alte Anlage aus, gibt es keinen gleichwertigen Ersatz mehr zu kaufen. Den Wechsel jetzt zu planen, ist deutlich entspannter als ihn im Störungsfall überstürzt nachzuholen.

Hintergrund der Abschaltung ist ein grundlegender Technikwechsel. Im alten Netz war für jedes Gespräch eine feste Leitung reserviert (Leitungsvermittlung), unabhängig davon, ob gerade gesprochen wurde. In der IP-Welt werden Sprache und Daten dagegen in Pakete zerlegt und gemeinsam über dieselbe Infrastruktur transportiert (Paketvermittlung). Das ist effizienter, günstiger im Betrieb und die Grundlage dafür, dass Telefonie heute mit jeder anderen Anwendung zusammenwächst.

Was kommt nach ISDN?

Der Nachfolger heißt IP-Telefonie, oft auch Voice over IP (VoIP) genannt. Dabei werden Telefongespräche als Datenpakete über die Internetverbindung übertragen, statt über eine separate Telefonleitung. Technisch baut das auf dem SIP-Standard (Session Initiation Protocol) auf, dem weltweit etablierten Protokoll für Internet-Telefonie. Das eröffnet eine Flexibilität, die mit ISDN nie möglich war.

Auch die Sprachqualität hat von diesem Wechsel profitiert. Moderne IP-Telefonie nutzt sogenannte HD-Voice-Codecs, die einen breiteren Frequenzbereich übertragen als das alte Schmalbandnetz. Gespräche klingen dadurch klarer und natürlicher – Stimmen sind besser zu verstehen, und Hintergrundrauschen tritt weniger störend hervor. Was früher als technische Einschränkung galt, ist mit IP eher zum Qualitätsgewinn geworden.

In der Praxis haben sich zwei Wege etabliert. Beide kommen ohne eine eigene, im Keller stehende Telefonanlage aus:

  • Cloud-Telefonie: Die Telefonanlage läuft als Dienst beim Anbieter im Rechenzentrum. Sie buchen die Funktionen, die Sie brauchen, und verwalten alles über eine Oberfläche.
  • Microsoft Teams Phone: Die Telefonie wird Teil von Microsoft 365. Mitarbeitende telefonieren direkt in der Software, die sie ohnehin täglich nutzen.

Welcher Weg passt, hängt davon ab, wie Sie heute arbeiten und welche Werkzeuge bereits im Einsatz sind. Wer schon stark auf Microsoft 365 setzt, fährt mit dem Umstieg auf Teams Phone oft am rundesten; wer eine herstellerneutrale Lösung bevorzugt, ist mit einer reinen Cloud-Anlage gut beraten.

Welche Vorteile bringt der Umstieg auf IP-Telefonie?

Der größte Gewinn ist Ortsunabhängigkeit. Mitarbeitende sind unter ihrer Geschäftsnummer erreichbar – im Büro, im Homeoffice oder unterwegs. Eine eigene Telefonanlage, die gewartet und irgendwann ersetzt werden muss, entfällt vollständig. Damit verschwinden auch die laufenden Wartungsverträge für die alte Hardware.

Hinzu kommt eine deutlich einfachere Verwaltung. Neue Mitarbeitende, geänderte Durchwahlen oder zusätzliche Warteschleifen lassen sich zentral und in Minuten einrichten, statt einen Techniker an die Anlage zu rufen. Die Telefonie wächst flexibel mit Ihrem Unternehmen mit, ohne dass Sie in neue Hardware investieren müssen – ein klarer Vorteil bei saisonalen Schwankungen oder schnellem Wachstum. Viele Änderungen, die früher einen Vor-Ort-Termin bedeuteten, erledigt heute ein paar Klicks in der Verwaltungsoberfläche.

Auch die Funktionsvielfalt ist größer als bei der alten Anlage: Anrufweiterleitung, Sprachnachrichten per E-Mail, Anbindung an die Software, mit der Sie ohnehin arbeiten – vieles, was früher teure Zusatzmodule erforderte, ist heute selbstverständlich enthalten. Welche Vorteile speziell der Cloud-Betrieb mitbringt, vertiefen wir im Beitrag zu den Vorteilen der Cloud-Telefonie.

Für wachsende Unternehmen ist die einfache Erweiterbarkeit ein echter Gewinn. Kommt ein neuer Standort hinzu, muss niemand mehr eine zweite Anlage anschaffen und beide miteinander verkoppeln. Alle Mitarbeitenden hängen an derselben virtuellen Telefonie, unabhängig davon, an welchem Ort sie sitzen. Standortübergreifende interne Anrufe sind damit so einfach wie ein Anruf am Nebentisch.

Ist IP-Telefonie sicher und stabil genug für ein Unternehmen?

Ja – sofern sie sauber eingerichtet ist. Moderne IP-Telefonie überträgt Sprache verschlüsselt: SRTP (Secure Real-time Transport Protocol) schützt den Sprachstrom, TLS (Transport Layer Security) die Signalisierung. Damit ist ein abgehörtes Gespräch deutlich unwahrscheinlicher als beim ungeschützten Klassiknetz. Wichtig ist, dass der Anbieter diese Verschlüsselung auch tatsächlich aktiviert hat.

Für die Stabilität sorgt die Trennung von Sprache und sonstigem Datenverkehr im Netzwerk. Mit QoS (Quality of Service) werden Sprachpakete bevorzugt behandelt, damit ein großer Download nicht das Telefonat ausbremst. In der Cloud kommt hinzu, dass die Anlage in einem professionell betriebenen Rechenzentrum mit redundanter Anbindung läuft – ein Verfügbarkeitsniveau, das ein einzelnes Gerät im Keller kaum erreicht.

Ein Punkt verdient besondere Aufmerksamkeit: Anders als das alte ISDN funktioniert IP-Telefonie nicht bei Stromausfall, wenn Router und Endgeräte keinen Strom haben. Für kritische Anschlüsse lässt sich das mit einer unterbrechungsfreien Stromversorgung (USV) oder einer Notfallweiterleitung aufs Mobiltelefon absichern – ein Detail, das wir bei der Planung mitdenken.

Was ist beim Umstieg zu beachten?

Ein zentraler Punkt ist die Rufnummernmitnahme. Ihre bestehenden Nummern werden portiert, sodass Kunden und Partner Sie weiterhin unter den gewohnten Nummern erreichen. Das ist gesetzlich verankert (§ 59 Telekommunikationsgesetz), gehört zum Standardablauf und sollte einige Wochen vor dem Wechsel angestoßen werden, weil der Anbieterwechsel eine Vorlaufzeit hat.

Weil Telefonie nun über das Internet läuft, sollte die Anbindung stabil und ausreichend dimensioniert sein. Sprache selbst braucht erstaunlich wenig Bandbreite – rund 100 Kilobit pro Sekunde je Gespräch – entscheidend ist eine zuverlässige, gleichmäßige Verbindung mit niedriger Latenz. Wir prüfen Ihren Anschluss vorab und sorgen dafür, dass Telefonie und übriger Datenverkehr sich nicht gegenseitig ausbremsen.

Der Wechsel auf IP ist längst Pflicht – die einzige Frage ist, ob Sie ihn planen oder er Sie überrascht.

Schließlich lohnt ein Blick auf die Endgeräte: Analoge und ISDN-Telefone lassen sich nicht direkt weiterbetreiben. Vieles ersetzt heute ein Headset mit App; wo ein Tischtelefon gewünscht ist, kommen IP-fähige Geräte zum Einsatz.

Nicht vergessen werden dürfen Sondergeräte, die früher fest an der Telefonleitung hingen: Türsprechanlagen, Alarmanlagen mit Telefonaufschaltung, Faxgeräte oder EC-Kartenterminals. Solche Geräte brauchen im IP-Zeitalter entweder einen passenden Adapter oder eine moderne, internetfähige Alternative. Wir erfassen diese Sonderfälle bei der Bestandsaufnahme bewusst mit, damit nach dem Umstieg wirklich alles weiterläuft und keine böse Überraschung am Tag X auftaucht.

Welche Risiken birgt es, den Umstieg weiter aufzuschieben?

Wer noch über Adapter am alten ISDN-Verhalten festhält, trägt ein wachsendes Risiko. Da die Technik nicht mehr weiterentwickelt wird, gibt es für ausfallende Anlagen oder Adapter keinen gleichwertigen Ersatz mehr. Tritt ein Defekt auf, steht das Unternehmen plötzlich ohne planbare Lösung da – und ein überstürzter Wechsel unter Zeitdruck ist deutlich teurer und fehleranfälliger als ein vorbereiteter.

Hinzu kommt der verpasste Nutzen. Solange die alte Anlage weiterläuft, verzichten Sie auf ortsunabhängige Erreichbarkeit, einfache Verwaltung und moderne Funktionen, die heute Standard sind. Gerade bei verteilten Teams oder Homeoffice macht das im Alltag einen spürbaren Unterschied.

Auch wirtschaftlich lohnt der frühe Schritt: Wartungsverträge für die alte Hardware, Stromkosten und der absehbare Komplettaustausch summieren sich. Ein geplanter Wechsel zum richtigen Zeitpunkt vermeidet diese Doppelkosten und verhindert, dass die Technik Sie irgendwann überrascht.

Wie läuft der Wechsel ohne Unterbrechung ab?

Mit etwas Planung gelingt der Umstieg, ohne dass Ihre Erreichbarkeit leidet. Zunächst nehmen wir auf, wie Sie heute telefonieren: welche Nummern, welche Durchwahlen, welche Warteschleifen und Ansagen im Einsatz sind. Auf dieser Grundlage wird die neue Lösung eingerichtet und ausführlich getestet, solange die alte Anlage noch läuft.

Die Umschaltung erfolgt dann zu einem geplanten Zeitpunkt, idealerweise außerhalb der Hauptgeschäftszeiten. Weil die neue Technik vorab vorbereitet und getestet ist, beschränkt sich der eigentliche Wechsel auf einen kurzen, kontrollierten Schritt. Anschließend stehen alle gewohnten Funktionen zur Verfügung – flexibler und ortsunabhängig.

Sollte wider Erwarten etwas haken, ist schnelle Hilfe gesichert, weil der Ablauf eng begleitet wird. implec ist seit 2002 für den Mittelstand am Niederrhein und an der Weser im Einsatz und begleitet solche Umstiege regelmäßig. So wird aus dem oft gefürchteten Umstieg ein planbarer Vorgang ohne böse Überraschungen. Wer das Thema jetzt angeht, ist die Sorge um die auslaufende Alttechnik endgültig los. Lassen Sie sich unverbindlich beraten – wir finden den Weg, der zu Ihrem Betrieb passt.

NR
Nils Rochholl

Geschäftsführer bei implec. Schreibt hier über Themen aus dem IT-Alltag des Mittelstands — praxisnah und ohne Buzzword-Bingo.

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FAQ

Häufige Fragen

Kurz und konkret beantwortet.

Können wir unsere bestehenden Rufnummern behalten?+

Ja. Bestehende Rufnummern werden im Rahmen des Umstiegs portiert und bleiben unverändert erhalten. Die Rufnummernmitnahme ist gesetzlich verankert und beim Anbieterwechsel kostenfrei – sie sollte einige Wochen vorab angestoßen werden.

Brauchen wir für IP-Telefonie schnelleres Internet?+

Sprache benötigt wenig Bandbreite – rund 100 Kbit/s pro Gespräch – aber eine stabile Leitung mit niedriger Latenz. Wir prüfen Ihren Anschluss vorab und stellen per QoS sicher, dass Telefonie und Datenverkehr sich nicht gegenseitig ausbremsen.

Müssen wir neue Telefone anschaffen?+

Analoge und ISDN-Telefone lassen sich nicht direkt weiterbetreiben. Viele telefonieren künftig über Headset und App. Wo Tischtelefone gewünscht sind, gibt es passende IP-fähige Geräte für Empfang oder Werkstatt.

Funktioniert IP-Telefonie auch bei Stromausfall?+

Nicht von allein, da Router und Endgeräte Strom brauchen. Anders als beim alten ISDN ist das ein Punkt, den man absichern muss – etwa mit einer USV oder einer automatischen Notfallweiterleitung aufs Mobiltelefon. Wir denken das bei der Planung mit.

Ist die Sprachübertragung bei IP-Telefonie abhörsicher?+

Bei korrekter Einrichtung ja. Moderne IP-Telefonie verschlüsselt den Sprachstrom per SRTP und die Signalisierung per TLS. Damit ist sie sicherer als das ungeschützte klassische Telefonnetz – vorausgesetzt, der Anbieter aktiviert die Verschlüsselung.

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