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Glasfaser

Warum braucht eine LWL-Strecke eine Zertifizierung?

Funktioniert ist nicht gleich abgenommen: Bei Glasfaser zählt der genormte Nachweis, dass die LWL-Strecke die geforderten Werte messbar einhält.

Warum braucht eine LWL-Strecke eine Zertifizierung?
Sofort-Antwort

Die LWL-Zertifizierung belegt mit genormten Messungen nach IEC 61280 und DIN EN 50173, dass eine Glasfaserstrecke die geforderten Werte für Dämpfung, Länge und Reflexion einhält. Sie ist die Grundlage für Gewährleistung und spätere Fehlersuche – und mehr als eine bloße Funktionsprüfung.

Warum ist „funktioniert“ bei Glasfaser nicht dasselbe wie „abgenommen“?

Eine Lichtwellenleiter-Strecke (LWL), also eine Glasfaserverbindung, kann auf den ersten Blick einwandfrei laufen und trotzdem deutlich schlechtere Werte liefern, als sie sollte. Man sieht einer Faser nicht an, ob sie die geforderte Qualität erreicht. Genau deshalb zählt bei Glasfaser nicht der Eindruck, sondern der Nachweis.

Die Zertifizierung belegt mit genormten Messungen, dass eine Strecke die vorgeschriebenen Werte einhält. Sie ist damit die Grundlage für die Gewährleistung und für jede spätere Fehlersuche. Ohne sie verlassen Sie sich auf eine Hoffnung statt auf ein messbares Ergebnis – und tragen das Risiko, dass ein verdeckter Mangel erst im laufenden Betrieb auffällt.

Eine Strecke, die heute knapp funktioniert, kann bei steigender Last oder kleinen Veränderungen schnell ausfallen. Die Zertifizierung stellt sicher, dass von Beginn an Reserven im Dämpfungsbudget vorhanden sind und die Verkabelung den Anforderungen dauerhaft gewachsen ist.

Der Unterschied wird greifbar, wenn man an die Lebensdauer einer Verkabelung denkt. Eine Glasfaserstrecke wird oft für ein, zwei Jahrzehnte verlegt, während die angeschlossene aktive Technik mehrfach gewechselt wird – von langsameren auf schnellere Übertragungsraten. Eine Strecke, die heute gerade so reicht, kann beim nächsten Technik-Upgrade zum Engpass werden. Die Zertifizierung dokumentiert, ob die nötigen Reserven vorhanden sind, und schützt so eine Investition, die viele Jahre halten soll.

Was genau wird bei einer LWL-Zertifizierung gemessen?

Bei der Zertifizierung werden die entscheidenden Eigenschaften der Strecke erfasst und gegen die geltende Norm bewertet. Erst wenn alle Werte im zulässigen Bereich liegen, gilt die Strecke als ordnungsgemäß abgenommen. Gemessen werden insbesondere:

  • Dämpfung: Wie viel Lichtsignal über die gesamte Strecke verloren geht, in Dezibel
  • Länge: Die tatsächliche Faserlänge zwischen den Endpunkten
  • Verluste an Spleißen und Steckern: Übergangsstellen sind typische Schwachpunkte
  • Reflexionen: Rückläufiges Licht (Rückflussdämpfung), das die Übertragung stören kann

Die zulässigen Grenzwerte ergeben sich aus dem Dämpfungsbudget, das nach der Norm aus Fasertyp, Länge und Anzahl der Verbindungen berechnet wird. Eine OS2-Singlemode-Faser hat etwa 0,35 dB/km bei 1310 nm, jeder Spleiß und jeder Stecker addiert weitere Zehntel Dezibel hinzu. Die Ergebnisse werden in einem Messprotokoll dokumentiert – dem eigentlichen Nachweis, dass die Verkabelung normgerecht ist und über die gesamte Lebensdauer als Referenz dient.

Nach welchen Normen wird zertifiziert?

Die Zertifizierung stützt sich auf ein klares Normengerüst, das die Ergebnisse vergleichbar und rechtssicher macht. Zentral ist die DIN EN 50173, die die Anforderungen an strukturierte Verkabelungssysteme in Gebäuden definiert – also festlegt, welche Werte eine Strecke je nach Anwendung erreichen muss.

Für die Installation selbst gilt die EN 50174, die die fachgerechte Planung und Ausführung der Verkabelung regelt, etwa Biegeradien und Verlegung. Die eigentlichen Messverfahren beschreibt die Normenreihe IEC 61280, die festlegt, wie Dämpfung und Streckeneigenschaften korrekt zu ermitteln sind.

Diese Normen greifen ineinander: Die EN 50174 sorgt für eine saubere Installation, die DIN EN 50173 definiert die Zielwerte, und die IEC 61280 stellt sicher, dass korrekt gemessen wird. Erst dieses Zusammenspiel macht aus einer Messung eine belastbare Zertifizierung, die auch gegenüber Auftraggebern und im Streitfall Bestand hat.

Für die Praxis heißt das: Die Norm gibt je nach Anwendung und Fasertyp eine zulässige Gesamtdämpfung vor, in die jeder Steckverbinder und jeder Spleiß mit seinem Verlust einfließt. Als grobe Orientierung rechnet man pro Steckverbinder mit einigen Zehntel Dezibel und pro Spleiß mit deutlich weniger. Eine Strecke mit vielen Übergangsstellen hat also weniger Spielraum als eine durchgehende Faser gleicher Länge – ein Aspekt, der schon bei der Planung der Trasse berücksichtigt wird, damit die spätere Abnahme nicht an vermeidbaren Verlusten scheitert.

Welche Messverfahren kommen dabei zum Einsatz?

In der Praxis ergänzen sich zwei Verfahren. Die Dämpfungsmessung (mit Lichtquelle und Leistungsmessgerät, oft als Insertion-Loss-Messung bezeichnet) ermittelt den Gesamtverlust der Strecke und vergleicht ihn mit dem zulässigen Grenzwert. Sie beantwortet die Frage: Kommt am Ende noch genug Signal an, damit die Übertragung sicher funktioniert?

Die OTDR-Messung (Optical Time Domain Reflectometer) liefert zusätzlich ein detailliertes Bild der gesamten Strecke. Sie zeigt, wo Spleiße und Stecker sitzen, wie hoch deren Verluste sind und an welcher Stelle ein Fehler liegt – und das metergenau.

Die Dämpfungsmessung beweist das Gesamtergebnis, die OTDR-Messung macht jede Schwachstelle sichtbar.

Beide Verfahren zusammen ergeben eine belastbare Zertifizierung. Die Dämpfungsmessung beweist, dass die Strecke insgesamt die Norm erfüllt, während die OTDR-Messung jede einzelne Schwachstelle sichtbar macht und so spätere Reparaturen erheblich erleichtert. Wie diese Werte beim Verbinden der Fasern entstehen, lesen Sie im Beitrag zum Glasfaser-Spleißen.

Wer braucht eine zertifizierte Glasfaserstrecke?

Eine Zertifizierung lohnt sich für jeden, der sich auf seine Verkabelung verlassen muss. In Rechenzentren, Produktionsumgebungen oder vernetzten Bürogebäuden ist eine stabile Glasfaserstrecke die Grundlage für den gesamten Betrieb – ein nicht erkannter Mangel rächt sich später teuer, weil jede Stunde Ausfall Geld kostet.

Ebenso verlangen viele Auftraggeber eine fachgerechte Abnahme als Teil der Leistung. Das Messprotokoll ist dann der Beleg, dass sauber gearbeitet wurde, und schützt beide Seiten im Streitfall vor langwierigen Diskussionen. Auch für die Gewährleistung ist die Dokumentation entscheidend: Sie hält fest, in welchem Zustand die Strecke übergeben wurde.

implec führt diese Messungen mit eigener Technik durch und liefert die Zertifizierung normgerecht aus einer Hand. So erhalten Sie Installation, Spleißung und Nachweis von einem Partner, ohne Schnittstellen und ohne Zweifel an der Qualität Ihrer Verkabelung.

Der Vorteil einer Leistung aus einer Hand zeigt sich vor allem dann, wenn etwas nicht auf Anhieb passt. Liegt ein Messwert über dem Grenzwert, kümmert sich derselbe Partner um die Ursache und die Korrektur – statt dass Installateur und Messdienstleister sich gegenseitig die Verantwortung zuschieben. Das verkürzt die Zeit bis zur fertigen, abgenommenen Strecke und erspart Ihnen die Rolle des Vermittlers zwischen mehreren Gewerken.

Was passiert, wenn eine Strecke die Zertifizierung nicht besteht?

Besteht eine Strecke die Messung nicht, liegt die gemessene Dämpfung oder Reflexion über dem zulässigen Grenzwert des Dämpfungsbudgets. Das ist kein Drama, sondern genau der Sinn der Messung vor der Inbetriebnahme: Der Mangel wird sichtbar, bevor er im Betrieb Schaden anrichtet. Dank der OTDR-Messung ist zugleich klar, an welcher Stelle das Problem sitzt.

Die häufigsten Ursachen sind ein verschmutzter oder beschädigter Steckverbinder, ein schlecht ausgeführter Spleiß, eine zu enge Biegung im Kabelweg oder schlicht eine Strecke, die länger ist als geplant und damit das Budget überschreitet. Ein verschmutzter Stecker lässt sich oft einfach reinigen und neu messen; ein schwacher Spleiß wird neu gesetzt.

Wichtig ist, die Korrektur zu dokumentieren und die Strecke danach erneut zu messen, damit das Protokoll den tatsächlich übergebenen Zustand abbildet. So entsteht am Ende ein Nachweis, der hält – und nicht ein Bestehen auf dem Papier, das im Betrieb nicht standhält. implec behebt festgestellte Mängel und liefert die saubere Wiederholungsmessung gleich mit.

Wie lange ist eine Zertifizierung gültig und wann muss neu gemessen werden?

Eine Zertifizierung dokumentiert den Zustand der Strecke zum Zeitpunkt der Abnahme. Solange niemand an der Verkabelung arbeitet, bleibt dieser Nachweis als Referenz aussagekräftig und dient als verlässlicher Ausgangswert für künftige Vergleiche.

Wird jedoch etwas verändert – etwa ein zusätzlicher Spleiß gesetzt, ein Stecker getauscht oder die Strecke verlängert – sollte erneut gemessen werden. Nur so bleibt das Protokoll ein verlässlicher Vergleichswert, an dem sich künftige Probleme schnell festmachen lassen. Jeder Eingriff verändert das Dämpfungsbudget und gehört dokumentiert.

Sinnvoll ist es deshalb, die Zertifizierung als Teil einer gepflegten Netzwerkdokumentation zu führen. Wer jederzeit weiß, wie seine Strecken aufgebaut sind und welche Werte sie zuletzt hatten, spart im Störungsfall wertvolle Zeit. Statt mühsam zu rekonstruieren, was vor Jahren verlegt wurde, liegt der Nachweis bereit – ein Baustein einer verlässlichen IT-Infrastruktur, die nicht von Einzelwissen abhängt.

Treten im Betrieb unerklärliche Störungen auf, ist eine Kontrollmessung ebenfalls sinnvoll. Der Vergleich mit den ursprünglichen Werten zeigt sofort, ob sich an der Faser etwas verschlechtert hat, und spart so teure und langwierige Fehlersuche. Gerade in geschäftskritischen Umgebungen lohnt es sich, das Messprotokoll zusammen mit der übrigen Netzwerkdokumentation aufzubewahren, damit es im Störungsfall sofort griffbereit ist und nicht erst gesucht werden muss.

Sprechen Sie uns für Abnahme oder Kontrollmessung an – wir liefern den belastbaren Nachweis und behalten Ihre Verkabelung auf Wunsch dauerhaft im Blick.

NR
Nils Rochholl

Geschäftsführer bei implec. Schreibt hier über Themen aus dem IT-Alltag des Mittelstands — praxisnah und ohne Buzzword-Bingo.

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FAQ

Häufige Fragen

Kurz und konkret beantwortet.

Lässt sich auch Kupferverkabelung zertifizieren?+

Ja. Auch strukturierte Kupferverkabelung, etwa nach CAT-Standard gemäß DIN EN 50173, lässt sich normgerecht messen und zertifizieren. implec übernimmt Kupfer und Glasfaser aus einer Hand.

Reicht eine einfache Durchgangsprüfung für die Abnahme?+

Nein. Eine reine Durchgangsprüfung zeigt nur, ob überhaupt Licht ankommt. Für eine belastbare Abnahme sind Dämpfungs- und OTDR-Messung gegen die Grenzwerte der geltenden Norm erforderlich.

Wofür wird das Messprotokoll später gebraucht?+

Es dient als Referenz bei der Fehlersuche und als Nachweis gegenüber Auftraggebern. Treten Probleme auf, lässt sich vergleichen, ob sich die Werte verändert haben – das klärt Verantwortlichkeiten und beschleunigt die Reparatur.

Nach welcher Norm wird eine LWL-Strecke zertifiziert?+

Maßgeblich sind DIN EN 50173 für die Anforderungen an die Verkabelung, EN 50174 für die fachgerechte Installation und die Reihe IEC 61280 für die Messverfahren. Erst ihr Zusammenspiel ergibt eine belastbare Zertifizierung.

Wann muss eine zertifizierte Strecke neu gemessen werden?+

Immer dann, wenn an der Strecke gearbeitet wurde – etwa nach einem zusätzlichen Spleiß, einem Steckertausch oder einer Verlängerung. Auch bei unerklärlichen Störungen im Betrieb klärt eine Kontrollmessung schnell die Ursache.

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