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Firewall im Haus oder aus der Cloud: Was passt zu welchem Betrieb?

Firewall-as-a-Service wird als Nachfolger der Box im Serverschrank verkauft. In vielen Betrieben ist sie das nicht — sondern eine Ergänzung, die etwas anderes löst. Die Unterscheidung, an der die Entscheidung tatsächlich hängt, hat weniger mit Technik zu tun als mit der Frage, wo Ihre Leute arbeiten.

Firewall im Haus oder aus der Cloud: Was passt zu welchem Betrieb?Hinweis: KI-generiertes Bild.
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Eine Firewall im Haus prüft den Verkehr am Standort — auch den zwischen internen Netzsegmenten, etwa zwischen Büro und Produktion. Eine Cloud-Firewall prüft den Verkehr beim Anbieter und schützt Beschäftigte unabhängig vom Ort, sieht den internen Verkehr aber nicht. Die Entscheidung hängt deshalb weniger am Budget als daran, wo gearbeitet wird: Ein Betrieb mit einem Standort, Maschinen im Netz und Beschäftigten vor Ort fährt mit dem Gerät im Haus besser. Verteilte Teams mit viel Homeoffice und wenig eigener Infrastruktur profitieren vom Cloud-Modell. Bei mehreren Standorten mit Produktion ist die Kombination aus beidem der Normalfall, nicht der Kompromiss.

Worin unterscheiden sich die beiden wirklich?

Nicht in der Schutzwirkung — moderne Systeme können auf beiden Seiten ungefähr dasselbe. Der Unterschied ist schlicht: Wo steht das Prüfgerät, und was bekommt es zu sehen?

Eine Firewall im Haus sitzt am Übergang zwischen Ihrem Netz und dem Internet. Alles, was durchgeht, geht durch sie. Und weil sie im Netz steht, sieht sie auch etwas, das eine Cloud-Lösung prinzipbedingt nicht sieht: den Verkehr zwischen Ihren eigenen Netzbereichen.

Eine Firewall aus der Cloud dreht das um. Der Verkehr Ihrer Geräte läuft zum Anbieter, wird dort geprüft und weitergeleitet. Der Vorteil: Das funktioniert unabhängig davon, wo das Gerät gerade steht — im Büro, im Homeoffice, beim Kunden. Der Preis: Was das Gerät im lokalen Netz tut, bekommt sie nicht mit.

Die Gegenüberstellung

KriteriumFirewall im HausFirewall aus der Cloud
Wo der Verkehr geprüft wirdam Standortbeim Anbieter, der Verkehr läuft dorthin
Interner Verkehr zwischen Netzsegmentenwird geprüftwird nicht erfasst — bleibt vor Ort
Beschäftigte außerhalb des Bürosnur über VPN geschütztüberall gleich geschützt
KostenAnschaffung plus Wartunglaufend je Nutzer oder Standort
Bei Ausfall der Leitunginternes Netz läuft weiterSchutzfunktionen hängen an der Verbindung
Mehrere Standorteje Standort ein Geräteine Regel für alle

Die Zeile, die in der Praxis am häufigsten den Ausschlag gibt, ist die zweite. Wer Produktion, Kassensysteme oder Gebäudetechnik im Netz hat, braucht die Trennung innerhalb des Hauses — und die leistet nur ein Gerät, das dort steht. Wie wichtig diese Trennung ist, haben wir in OT und IT trennen beschrieben.

Wann ist das Gerät im Haus die richtige Wahl?

Wenn mehrere der folgenden Punkte zutreffen:

  • Ein Standort, an dem die meisten Leute arbeiten. Der Schutz greift dort, wo er gebraucht wird.
  • Geräte im Netz, die nicht ins Internet müssen — Maschinensteuerungen, Kameras, Drucker, Gebäudetechnik. Sie gehören in eigene Netzsegmente, und die Übergänge dazwischen gehören geprüft.
  • Eigene Server im Haus, auf die von außen zugegriffen wird.
  • Der Wunsch nach kalkulierbaren Kosten statt einer Position, die mit jeder Einstellung mitwächst.

Das beschreibt den typischen Mittelständler mit Werkstatt, Lager oder Fertigung ziemlich genau. Für ihn ist die Box im Schrank kein Auslaufmodell, sondern weiterhin das Rückgrat — ergänzt um Endpunktschutz auf den Geräten selbst.

Wann lohnt das Cloud-Modell?

Immer dann, wenn der Schutz dem Menschen folgen muss statt dem Gebäude:

  • Viel Homeoffice oder Außendienst. Über VPN lässt sich das lösen, aber VPN ist eine Umleitung — es funktioniert, solange alle es benutzen. Genau daran scheitert es im Alltag.
  • Wenig eigene Infrastruktur. Wer ohnehin fast vollständig in Microsoft 365 arbeitet und keine Server mehr im Haus hat, schützt mit einem Gerät am Standort immer weniger.
  • Viele kleine Standorte. Zehn Filialen bedeuten zehn Geräte, zehn Wartungsverträge und zehnmal dieselbe Regel — oder eine Regel für alle.

Bei mehreren Standorten lohnt daneben der Blick auf SD-WAN, das dieselbe Frage von der Verbindungsseite her angeht.

Wo die Rechnung gern kippt

Drei Punkte, die in Anbietergesprächen selten vorkommen:

  • Die Cloud-Lösung hängt an der Leitung. Wenn der Internetzugang ausfällt, fällt bei der Box im Haus das Internet aus — beim Cloud-Modell zusätzlich die Schutz- und Filterfunktion für alle, die gerade arbeiten wollen. Wer darauf setzt, braucht eine zweite Leitung ernsthafter als vorher.
  • Laufende Kosten wachsen mit. Ein Gerät kostet einmal und dann Wartung. Ein Abonnement je Nutzer wächst mit jeder Einstellung — was bei 15 Personen unauffällig ist und bei 60 nicht mehr.
  • „Beides“ ist kein Scheitern. In der Praxis läuft es bei Betrieben mit Produktion und verteilten Teams fast immer auf die Kombination hinaus: Gerät im Haus für die internen Übergänge, Cloud-Schutz für die Leute außerhalb. Das ist kein fauler Kompromiss, sondern die saubere Antwort auf zwei verschiedene Fragen.

Welche Variante passt zu Ihnen?

Die Firewall im Haus ist die richtige Wahl, wenn Sie überwiegend an einem Standort arbeiten, Geräte im Netz haben, die voneinander getrennt gehören, und planbare Kosten schätzen.

Die Cloud-Firewall ist die richtige Wahl, wenn Ihre Leute über viele Orte verteilt sind, kaum noch eigene Server im Haus stehen und Sie viele kleine Standorte einheitlich absichern wollen.

Beides zusammen ist die richtige Wahl, wenn Sie Produktion oder Gebäudetechnik im Netz haben und ein gutes Stück der Belegschaft außerhalb arbeitet — der häufigste Fall im gewachsenen Mittelstand.

Was in Ihrem Netz tatsächlich getrennt gehört und welche Variante das leisten muss, klären wir bei der Planung Ihrer Firewall — einschließlich der unbequemen Frage, was heute eigentlich mit was reden darf. Erfahrungsgemäß ist das der Teil, bei dem die meisten Überraschungen auftauchen.

Nils Rochholl
Nils Rochholl

Gründer und Geschäftsführer von implec. Verantwortet hier Beiträge aus dem IT-Alltag des Mittelstands – praxisnah und ohne Buzzword-Bingo.

FAQ

Häufige Fragen

Kurz und konkret beantwortet.

Was ist Firewall-as-a-Service?+

Eine Firewall, die nicht als Gerät im eigenen Serverschrank steht, sondern als Dienst beim Anbieter läuft. Der Datenverkehr der Geräte wird dorthin geleitet, geprüft und weitergeschickt. Der Schutz hängt damit am Gerät und am Nutzer statt am Standort.

Ersetzt eine Cloud-Firewall das Gerät im Haus?+

Nur dort, wo es im Haus nichts mehr zu trennen gibt. Eine Cloud-Firewall sieht den Verkehr zwischen internen Netzbereichen nicht — etwa zwischen Büronetz und Maschinensteuerung. Wer Produktion, Kameras oder Gebäudetechnik im Netz hat, braucht die Trennung weiterhin vor Ort.

Was ist günstiger?+

Das hängt an der Zahl der Beschäftigten und der Standorte. Ein Gerät im Haus verursacht Anschaffungs- und Wartungskosten, die weitgehend unabhängig von der Mitarbeiterzahl sind. Ein Cloud-Dienst kostet laufend je Nutzer oder Standort und wächst entsprechend mit. Bei einem Standort mit wachsender Belegschaft liegt das Gerät meist vorn, bei vielen kleinen Standorten das Abonnement.

Was passiert bei einem Internetausfall?+

Bei einer Firewall im Haus fällt der Internetzugang aus, das interne Netz arbeitet weiter — Dateiserver, Drucker und Maschinen bleiben erreichbar. Beim Cloud-Modell entfallen zusätzlich die Schutz- und Filterfunktionen, weil der Verkehr den Anbieter nicht mehr erreicht. Wer darauf setzt, sollte eine zweite Leitung einplanen.

Kann man beides kombinieren?+

Ja, und bei Betrieben mit Produktion und verteilten Teams ist das der Normalfall: das Gerät im Haus für die Trennung der internen Netzbereiche, der Cloud-Dienst für Beschäftigte außerhalb des Standorts. Beide beantworten unterschiedliche Fragen und schließen sich nicht aus.

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