Das BSI stuft die Lage als kritisch ein: Eine Schwachstelle in Chrome erlaubt Angreifern die Übernahme des Rechners. Der Browser aktualisiert sich zwar selbst — wirksam wird das Update aber erst nach einem Neustart. Und den macht kaum jemand.

Das BSI hat eine Cybersicherheitswarnung für Google Chrome herausgegeben; die Schwachstelle CVE-2026-76017 erlaubt es Angreifern, über eine präparierte Webseite Code auszuführen. Auch die Bildbearbeitung GIMP ist betroffen. Chrome lädt Updates automatisch, aktiviert sie aber erst nach einem Neustart des Browsers — auf Rechnern, die wochenlang durchlaufen, bleibt die Lücke offen.
Das BSI hat am 21. August eine Cybersicherheitswarnung veröffentlicht und die Lage als kritisch eingestuft. Betroffen ist unter anderem Google Chrome mit der Schwachstelle CVE-2026-76017, einem sogenannten Use-after-free-Fehler: Der Browser greift auf Speicher zu, den er eigentlich schon freigegeben hat — ein Zustand, den Angreifer gezielt herbeiführen und ausnutzen können.
Praktisch heißt das: Der Besuch einer präparierten Webseite kann genügen, damit fremder Code auf dem Rechner ausgeführt wird. Es braucht keinen Download und keine Installation. Ebenfalls betroffen ist die verbreitete Bildbearbeitung GIMP.
Das BSI fordert ein sofortiges Update. Anders als bei den Serverlücken der letzten Wochen — etwa der wurmfähigen DNS-Lücke — sitzt das Problem diesmal auf jedem Schreibtisch.
Doch — aber genau hier liegt der Denkfehler, der die Lücke offen hält. Chrome lädt Updates im Hintergrund automatisch herunter. Aktiv werden sie erst nach einem Neustart des Browsers. Bis dahin läuft die alte, verwundbare Version weiter, obwohl das Update längst auf der Platte liegt.
Und wann hat Ihr Team den Browser zuletzt geschlossen? In der Praxis laufen Chrome-Fenster mit zwanzig Tabs wochenlang durch — der Rechner wird zugeklappt, nicht heruntergefahren. Wir sehen regelmäßig Geräte, deren Browser seit über einem Monat nicht neu gestartet wurde.
Der Hinweis darauf ist unscheinbar: ein farbiger Punkt im Menü, der mit zunehmendem Rückstand von Grün über Orange nach Rot wechselt. Genau den übersieht man zuverlässig.
Dasselbe gilt für die anderen Browser: Edge und Firefox verhalten sich genauso — Update im Hintergrund, Wirksamkeit erst nach Neustart. Wer im Betrieb mehrere Browser parallel im Einsatz hat, hat entsprechend mehrere Stellen, an denen die Lücke offen bleiben kann.
Weniger die Lücke selbst als die Frage, wer sich um diese Software kümmert. Chrome steht auf jedem Gerät und wird zentral verwaltet. GIMP dagegen ist typische gewachsene Software: Irgendwann hat es jemand installiert, weil er ein Bild zuschneiden musste — seither aktualisiert es niemand, und in keiner Inventarliste taucht es auf.
Solche Programme sind der blinde Fleck jeder Update-Strategie. Nicht weil sie besonders unsicher wären, sondern weil niemand zuständig ist. Die ehrliche Frage lautet deshalb nicht „Ist GIMP bei uns aktuell?“, sondern: Wissen wir überhaupt, welche Programme auf unseren Geräten laufen?
Vier Schritte, zusammen etwa zehn Minuten:
Über zentrale Geräteverwaltung. Damit lassen sich Browser-Updates erzwingen statt erbitten — inklusive eines Neustarts nach einer festgelegten Frist — und Sie sehen auf einen Blick, welche Version tatsächlich läuft. Wie das in gemischten Geräteparks funktioniert, steht in MDM ohne Jamf.
Der zweite Baustein ist ein Software-Inventar: Welche Programme laufen auf welchen Geräten? Ohne diese Liste bleibt jede Update-Strategie Stückwerk — man patcht das Bekannte und übersieht den Rest. Warum das grundsätzlich zählt, steht in Warum ist Patch-Management so wichtig?.
Gern übernehmen wir das: zentrale Update-Steuerung für Browser und Anwendungen, ein gepflegtes Inventar und die Rückmeldung, wenn ein Gerät zurückfällt — damit eine BSI-Warnung für Sie zur Randnotiz wird.
FAQ
Kurz und konkret beantwortet.
Die Schwachstelle CVE-2026-76017, ein Use-after-free-Fehler. Der Besuch einer präparierten Webseite kann genügen, damit fremder Code auf dem Rechner ausgeführt wird. Das BSI stuft die Lage als kritisch ein.
Nein. Chrome lädt Updates automatisch herunter, aktiviert sie aber erst nach einem Neustart des Browsers. Läuft das Fenster wochenlang durch, bleibt die alte, verwundbare Version aktiv.
Im Menü unter „Hilfe → Über Google Chrome“. Ein ausstehendes Update zeigt sich außerdem als farbiger Punkt im Menü, der von Grün über Orange nach Rot wechselt.
Weniger wegen der Lücke selbst als wegen der Zuständigkeit: Solche Einzelinstallationen tauchen in keiner Inventarliste auf und werden von niemandem aktualisiert.
Über zentrale Geräteverwaltung lassen sich Updates und ein Neustart nach fester Frist erzwingen. Dazu gehört ein Software-Inventar, damit auch Einzelinstallationen erfasst sind.
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